In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
MASTERTHESIS SoSe 2025 von Wilhelm von Ardenne & Paul Oliver Sell
Das Entwicklungsprojekt wurde in Kooperation mit der Stadt Dessau-Roßlau und der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft mbH (DWG) unter den Prüfenden Prof. Nadja Häupl - Professur für Städtebau - sowie Prof. Dr. Matthias Stange - Professur für Bau- und Projektmanagement/ Projektsteuerung - durchgeführt.
Das Projekt „ALTES. NEUES. WIR.“ widmet sich dem innerstädtischen Wandel in Dessau-Roßlau – exemplarisch für viele ostdeutsche Mittelstädte, die seit der Wiedervereinigung mit schrumpfender Bevölkerung, strukturellem Wandel und zunehmendem Leerstand konfrontiert sind. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich zwischen der Museumskreuzung und dem ehemaligen Arbeitsamt. Einst ein lebendiger Teil der Stadt, prägen heute leerstehende Wohnungen, rückläufiger Einzelhandel und ein spürbarer Verlust an urbaner Dichte das Bild.
Der sichtbare Schwarzplan der Dessauer Innenstadt offenbart mehr als nur bauliche Strukturen – er macht Geschichte, Brüche und Entwicklungspotenziale sichtbar. In der Dichte und Leere zeigen sich nicht nur bestehende Gebäude, sondern auch jene urbanen Lücken, die über Jahre hinweg gewachsen sind und heute nach neuen Ideen verlangen. Genau in diesem Spannungsfeld positioniert sich das Projekt „Altes. Neues. Wir.“ (rot) – nicht als isolierter Neubeginn, sondern als Fortsetzung und Weiterentwicklung unserer eigenen Bachelorarbeiten. Dabei spielt das Projekt „Living Shelf“ (grün) aus dem Sommersemester 2023 eine zentrale Rolle. Es war nicht nur ein gestalterischer Impuls, sondern wurde zum Auslöser für die beginnende Zusammenarbeit zwischen der Stadt Dessau und uns als Entwerfende. „Living Shelf“ bleibt im neuen Entwurf bewusst sichtbar – als gebautes Konzept als Ausgangspunkt einer vertieften Auseinandersetzung mit der Innenstadt Dessaus. Die Idee des Weiterbauens steht im Zentrum. Wir greifen auf Bestehendes zurück und entwickeln es aktiv weiter – mit dem Ziel, eine zukunftsfähige urbane Struktur zu entwerfen, die die Leere füllt, ohne sie zu verdrängen.
Aufgabenstellung war es, diesen Wandel nicht nur zu analysieren, sondern im Dialog mit der Stadt Dessau-Roßlau und der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG) als Eigentümer der Gebäudekomplexe aktiv planerisch zu begleiten und neue innovative Entwicklungsvorschläge zu erarbeiten.
Ziel ist es, gemeinsam tragfähige und nachhaltige Konzepte für die zukünftige Nutzung der leerstehenden Plattenbauten zu entwickeln. Die drei Wohngebäude des Typs „Industrieller Wohnungsbau 64 Brandenburg“, erbaut zwischen 1968 und 1970, stehen dabei im Zentrum. Sie sind über 70 Prozent leer, entsprechen weder heutigen Wohnstandards noch energetischen Anforderungen, sind aber baulich solide. Gleichwohl bergen sie ein hohes Potenzial für neue, urbane Wohnformen.
Der Lösungsansatz des Projekts verfolgt einen integrierenden Entwicklungsansatz, der alte Strukturen wertschätzt und gleichzeitig neue Impulse für gemeinschaftliches Wohnen, kulturelle Verknüpfung und nachhaltige Stadterneuerung setzt. Der Leerstand wird nicht als Defizit verstanden, sondern als Chance für Transformation und soziale Neubelebung. Ein zentraler Bearbeitungsschwerpunkt liegt auf dem architektonischen Element des Laubengangs. Er fungiert als funktionale Erschließung und schafft halböffentliche Räume, fördert zufällige Begegnungen und aktiviert die Fassaden. Ergänzt wird das Konzept durch neue Grün- und Freiraumstrukturen, die städtische Aufenthaltsqualität verbessern, ökologische Verbindungen stärken und insbesondere im Hinblick auf die „BUGA 2035“ neue Perspektiven eröffnen.
Wir möchten uns herzlich bei allen bedanken, die uns auf dem Weg der Masterarbeit begleitet und unterstützt haben. Die gemeinsame Arbeit im Team hat uns nicht nur fachlich, sondern auch menschlich bereichert. Wir blicken mit Freude und Dankbarkeit auf diese besondere Zeit, das Masterstudium, zurück.